Guesthouse Bakkhos
Manuela & Orhan Özbas Engels
P.K. 60 Guesthouse Bakkhos
Kirazli Köy Yolu Üzerinde
09400 Kusadasi (Aydin)
Türkiye
Tel. 0090.256.622 03 37
Mobil 0090.535.613 4300
E-Mail: info@bakkhos.com
www.bakkhos.com

Im gewissen Sinne waren wir auf der Flucht, als wir am frühen Freitagnachmittag, dem 12. Oktober 2007 in Selcuk im Internet nach einer geeigneten Unterkunft für – so dachten wir – zwei Nächte suchten. Geflohen waren wir vom Baffa See, dessen unbestrittene Idylle nach Sonnenuntergang der Invasion von Milliarden von Mücken zum Opfer fiel. Wir hatten die Nacht unter einem Moskitonetz in einer Pension überdauert, die wir nach dem Frühstück mit einem Gefühl der Erleichterung verließen. Nach dem Besuch von Didyma und Milet waren wir schließlich in Selcuk angelangt, wo wir schlagartig (und unbesehen) übereinstimmten, dass das aus einem Handbuch ausgewählte Hotel in der Stadt nach der mehr oder minder durchwachten Nacht nicht in Frage kommt. Und so befragten wir das Orakel des 21. Jahrhunderts, das Internet, wo wir unsere Häupter auf angemessene Weise für einen Teil der nächsten 48 Stunden betten könnten. Nach einigem Suchen fanden wir den Hinweis auf eine wenige Kilometer östlich von Kusadasi auf dem Land gelegene Hotelpension, deren Beschreibung viel versprechend klang. Der Autor dieser Zeilen will jedoch nicht verhehlen, dass er - mittlerweile von Kopfschmerzen geplagt – dem Ziel durchaus mit Misstrauen entgegensah: Eine Unterkunft Kilometer vom Meer entfernt? Im Schatten der Touristenhochburg Kusadasi? Der Umstand, dass wir uns auf der Fahrt in die Pension auch noch verfuhren, war der Stimmung (und den Kopfschmerzen) ebenfalls nicht zuträglich. Kurz und gut: Endlich stießen wir auf das Schild „Bakkhoes“ an der kleinen Landstraße zwischen Kirazli und Kusadasi, bogen in den links und rechts mit Bäumen gesäumten Feldweg und holperten auf das von außen unscheinbare Anwesen zu, das reichlich verlassen wirkte. Mit einem Anflug von rechthaberischer Häme meinte der Autor dieser Zeilen verkniffen, die Pension sei wohl schon geschlossen. Am Tor angelangt, klingelten wir und erhielten freundlich Einlass. Der Hausherr, wie sich später herausstellte, Orhan, verwies uns auf seine aus Holland stammende Frau Manuela, die zu unserer Überraschung meinte, wir hätten Glück, dass sie uns ein Zimmer anbieten könne, normalerweise sei die Pension um diese Jahreszeit hoffnungslos ausgebucht. In Manuelas Schlepptau marschierten wir zwischen zwei Gebäuden ein paar Schritte durch einen gepflegten Garten, um dann links ein paar Stufen zu einem lang gezogenen Steinhaus hinaufzusteigen, in dem fünf Zimmer über eine sich die ganze Länge des Gebäudes erstreckenden Terrasse zugänglich waren. Das uns zugedachte Zimmer lag rechts am Ende des Traktes. Noch groggy vom anstrengenden Tag nahmen wir das Zimmer kaum wahr, erkannten jedoch sogleich, dass es keinen vernünftigen Grund gab, nicht dort für die nächsten zwei Nächte zu bleiben, zumal wir über den Übernachtungspreis von 35 Euro für das Zimmer mit Frühstück außerordentlich angetan waren. Nachdem wir mit Hilfe des durchweg ausgesprochen freundlichen Personals unser ausuferndes Gepäck in unsere Behausung geschleppt hatten, konnten wir selbige nun aufmerksamer betrachten. Uns schien es bald, Teil einer Reportage von „Schöner wohnen“ zu sein, ein Eindruck der sich mehr und mehr verstärkte, als wir uns die gesamte Anlage erschlossen. Doch zunächst einmal genossen wir die Dusche, die – anders als in 90 Prozent der türkischen Ferienpensionen üblich – bei deren Gebrauch das Bad nicht (!) unter Wasser setzte und zudem über einen Wasserdruck und eine Konstanz an warmem Wasser verfügte, die das Bad umgehend auf Platz 1 der Rangliste türkischer Bäder katapultierte. Übrigens sei an dieser Stelle bereits vorweg genommen, dass die Pension oder sprechen wir fortan vom Guesthouse, spätestens nach dem Abendessen insgesamt auf Platz 1 der seit Jahren vom Autor gemeinsam mit einer höchst anspruchsvollen Mitjurorin gepflegten Rangliste der besten türkischen Ferienunterkünfte rückte und die Terrasses d´Üchissar in Kappadokien wie auch das Panorama Plaza in Köycegiz auf Platz 2 verwiesen.
Zehn oder zwölf Zimmer – jeweils zwanzig und mehr Quadratmeter groß und individuell eingerichtet - sowie ein Appartement mit eigener Kochgelegenheit verteilen sich auf drei Gebäude. Ein großzügig bemessener Pool lädt jene zur Erfrischung ein, die sich auf den Sonnenliegen auf dem gepflegten Grün des Rasens oder der Poolterrasse dem eitlen Nichtstun hingeben. Überall finden sich kleine Sitzgruppen, die zum Verweilen einladen. In warmen Nächten speist man an einer langen Tafel im Grünen, kühlt es abends bereits etwas mehr ab, dann steht eine überdachte Speiseterrasse zur Verfügung und wenn es – wie im Oktober 2007 – abends bereits erstaunlich frisch (andere sagten: kalt) wird, nehmen die Gäste zum Frühstück und Abendessen in einem Speisehaus Platz, dessen Inneneinrichtung ohne jeden Zweifel die Cover von Zeitschriften á la „Schöner Wohnen“ zieren könnte. Das Essen wäre eine weitere Lobeshymne wert. Das Frühstück ist im Übernachtungspreis inbegriffen und orientiert sich an dem in der Türkei für diese Mahlzeit üblichen Angebot. Wer das Abendessen in Anspruch nehmen möchte, bezahlt 12 Euro 50 und kann in aller Regel unter 10 Vorspeisen wählen – ohne Sorge haben zu müssen, zu kurz zu kommen. Nach einer exzellent zubereiteten Fleisch- oder Fischspeise wird der Nachtisch gereicht, der in aller Regel aus Früchten besteht. Hier wünschte man sich bei einem längeren Aufenthalt nicht selten, dass der Koch den Gästen einen tieferen Einblick in die Vielfalt türkischer Desserts geben würde.
Das Gros der westeuropäischen Gäste des Guesthouses stammt aus den Niederlanden, Bakkhos ist übrigens der holländische Begriff für den Gott des Weines, den die Eigentümer der Pension auch selbst anbauen. Der eigene Weißwein sei an dieser Stelle sehr empfohlen. Wer am Abendessen teilnimmt – was beim Frühstück angekündigt werden sollte – speist gemeinsam zur gleichen Zeit (meist 19:30 Uhr) an der großen Tafel, so dass die Gäste unweigerlich und auf wunderbar unaufdringliche Weise ins Gespräch kommen. Beim Aufenthalt im Oktober 2007 wurde die holländische Hegemonie nicht nur durch die Autoren, sondern auch durch eine türkisch-deutsche Familie aus Ankara sowie die Amerikaner John und Jim in Frage gestellt und so herrschte ein munteres Sprachgewirr am Tisch und es sei den Holländern hoch angerechnet, mit welcher Langmut sie einen Teil ihrer Konversation auf Deutsch (oder auf Englisch) bestritten. Wie bereits angedeutet war es nachts sehr frisch geworden, so dass wir am offenen Kamin speisten und an einem Abend im Salon – ebenfalls am offenen Kamin – gemeinsam bei Wein und Bier beisammen saßen.
Aus den zwei Nächten wurden übrigens acht und die ursprünglichen Pläne, das Landesinnere zu erkunden – etwa nach Afyon zu fahren – wurden auf einen künftigen Urlaub vertagt. Wir hatten unsere Oase gefunden, viele Stunden am Pool verbracht, einmal sogar die hauseigene Sauna (!) angeworfen und im übrigen die Umgebung mit dem Mietwagen erkundet. Und die bietet einiges! Da sei an erster Stelle pflichtgemäß Ephesus erwähnt, die riesige antike Städte, die von uns in drei Stunden bewundert wurde, weniger ignorante Besucher vermutlich jedoch einen guten Tag und länger beschäftigen kann. Wer will, kann es Papst Benedikt nachtun und unweit von Ephesus auf dem Berg das Haus besichtigen, das mutmaßlich auf den Spuren des Hauses errichtet worden ist, in dem Maria, die Mutter Jesus ihren Lebensabend verbrachte. In Selcuk sind die Ruinen der Kirche des Apostel Johannes zu besichtigen und spätestens jetzt realisiert der Reisende, dass die Wiege des Christentums nicht nur im heutigen Israel, sondern ganz besonders in der heutigen Türkei zu finden ist. Eine angenehme Überraschung – zumindest im Oktober – war Kusadasi, das obgleich ein Touristenzentrum, sich einen eigenen Charme bewahrt hat. Wer keine unüberwindliche Allergie gegen Schlepper und penetrante Verkäufer entwickelt hat, kann dort angenehm bummeln und das eine oder andere Andenken machen. Nicht jedermanns Sache ist der Ausflug nach Izmir, der dreieinhalb Millionenstadt, den der Autor dieser Zeilen gleichwohl sehr empfiehlt. Die Stadt am Meer bietet ein wunderbares Nebeneinander aus Moderne und Tradition. Wer sich die etwas mehr als eine Stunde dauernde Fahrt mit dem PKW scheut, sollte von Kusadasi oder Selcuk aus mit dem Bus fahren. An dieser Stelle sei angemerkt, dass im Grundsatz alle Ziele vom Guesthouse aus mit Bussen zu erreichen sind. Sammeltaxis passieren die Landstraße unterhalb des Guesthouses (und in ausreichendem akustischem Abstand) in häufiger Folge und vom jeweiligen Zielort aus kann man in Busse in jedwede Richtung umsteigen. Wer direkt aus seiner Heimat kommend das Bakkhos ansteuert, der kann sich von Orhan und Manuela einen Transfer vom Flughafen in Izmir oder Bodrum vermitteln lassen.
Es könnten noch viele Ausflugsziele hier besungen werden, etwa die Kleinstadt Tire, eine Stunde mit dem PKW von der Pension entfernt, in der Dienstags ein Wochenmarkt stattfindet, den der Autor dieser Zeilen zu den bemerkenswertesten Märkten zählt, die er im Türkenland bisher besucht hatte. Ein lohnendes Ziel ist auch der Millipark südwestlich von Kusadasi, eine gute halbe Stunde mit dem PKW von der Pension entfernt. Der älteste Nationalpark der Türkei liegt auf einer Landzunge von der die griechische Insel Samos nur knapp 2 Kilometer weit entfernt liegt. Dort gibt es nicht nur schöne Strände, sondern auch Wanderrouten, etwa durch eine Schlucht und eine Vielzahl von Wildschweinen, die einem unverhofft begegnen können. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer sich eine Woche im Bakkhos einquartiert, wird am Ende seines Aufenthaltes das Gefühl haben, noch bleiben zu müssen; einerseits, um die Atmosphäre zu genießen und andererseits weil noch so viele Dinge der Entdeckung harren – zumal alle Ausflüge ja mit der Verlockung konkurrieren, den Tag am Pool zu verbringen und nichts zu tun. Den Informationsjunkies unter den Lesern dieser Homepage sei noch gesagt, dass in der unmittelbaren Umgebung des Büros von Manuela und Orhan WLan-Empfang besteht. Nach acht Tagen Aufenthalt im Bakkhos saßen der Autor dieser Zeilen und seine Chefjurorin gemeinsam mit Jim und John beim Frühstück. Gemeinsam überlegte man, was man sich in der Pension noch an Verbesserungen wünschte. Dabei sei angemerkt, dass Jim sein Geld in den USA mit der schlüsselfertigen Renovierung und Ausgestaltung von Eigenheimen verdiente. Ratlos saß man zu viert am Tisch. Eine etwas hellere Beleuchtung in den Zimmern meinte Jim durchaus zu Recht, abwechslungsreichere Nachspeisen, war ein weiterer Wunsch, WLan-Empfang auf dem ganzen Gelände ein anderer. Aber mehr – und vor allem wirklich wichtige - Wünsche fielen den anspruchsvollen Reisenden beim besten Willen nicht ein. Könnte man dem Bakkhos ein besseres Zeugnis ausstellen?